Keine Macht den Doofen!

Vor einigen Wochen schrieb Michael Schmidt-Salomon einen Artikel für das Lifestyle-Magazin „Mind“, in dem er neben „Religiotie“ auch „Ökologiotie“ und „Ökonomiotie“ als menschheitsgefährdende Wahnvorstellungen beschrieb. Angesichts der Vorgänge in Fukushima, die zeigen, wie sehr wir die Gefahren der Risikotechnologie „ökologiotisch“ verdrängen, ist der Artikel leider sehr aktuell geworden. Der hpd dokumentiert den Text in Auszügen und ich möchte es auf keinen Fall verpassen ihn auch meinen Lesern zugänglich zu machen.

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Keine Macht den Doofen!


Eigentlich sollte klar sein, dass eine Menschheit, die über Satelliten kommuniziert und das Atom spaltet, die dafür erforderliche Reife besitzen sollte. Doch davon sind wir weit entfernt! Einer der Gründe dafür liegt in der epidemischen Ausbreitung der „Religiotie“ („religiöse Idiotie“). Darunter verstehe ich eine selten diagnostizierte (wenn auch häufig auftretende) Form der geistigen Behinderung, die durch intensive Glaubensindoktrination vornehmlich im Kindesalter ausgelöst wird. Religiotie führt zu deutlich unterdurchschnittlichen kognitiven Leistungen sowie zu unangemessenen emotionalen Reaktionen, sobald es um glaubensrelevante Sachverhalte geht – etwa um das Anerkennen der empirischen Belege der Evolutionsbiologie.

Religiotie ist sicherlich die am leichtesten zu erkennende Form einer weltanschaulich bedingten, partiellen Denkschwäche. Andere Varianten dieses Syndroms sind weniger offensichtlich, politisch jedoch nicht weniger bedeutsam: etwa die „Ökonomiotie“ („ökonomische Idiotie“) oder die mit ihr eng verwandte „Ökologiotie“ („ökologische Idiotie“). Uns ist es doch tatsächlich gelungen, ein Finanzsystem zu etablieren, das soziale Spannungen automatisch verstärkt, indem es Reiche fast zwangsläufig reicher und Arme ärmer macht. Darüber hinaus haben wir eine Wirtschaftsform entwickelt, die ökonomischen Wohlstand über die Produktion ökologischer Katastrophen erkauft, welche jeglichen Wohlstand in der Zukunft zunichtemacht. Intelligent ist das sicher nicht! Bei genauerer Betrachtung fragt man sich wirklich, wer das intelligentere Lebewesen ist: die gemeine Ameise oder der Mensch? Immerhin übersteigt die Biomasse der Ameisen die Biomasse der Menschen um ein Vielfaches. Und obwohl die Ameisen Tag für Tag wie die Weltmeister produzieren und konsumieren, gibt es bei ihnen weder ein Überbevölkerungs- noch ein Müllproblem. Offensichtlich verstehen es die Ameisen, intelligenter zu wirtschaften als jene stolze Primatenart, die sich in ihrem Hang zur Selbstüberschätzung einst die Bezeichnung „Der weise Mensch“ („Homo sapiens“) gab.

Das heißt nicht, dass wir Menschen prinzipiell zu dumm wären, Produktion und Konsumtion intelligenter zu gestalten. Schon lange liegen Konzepte vor, die zeigen, wie wir vernünftiger mit unseren Ressourcen umgehen könnten. Es gibt auch Entwürfe für eine neue Ökonomie, die allen Menschen nützen würde – nicht bloß einigen wenigen Wohlhabenden, die mit ihrem exorbitant gestiegenen Reichtum in der Regel ohnehin nichts mehr anzufangen wissen. Doch werden diese Vorschläge aufgegriffen? Werden sie breit in den Medien und in der Politik diskutiert? Nein, das Gegenteil ist der Fall: Kaum ist eine Krise notdürftig überstanden, machen wir weiter, als sei nichts geschehen. Dass die anwachsenden Müllberge die Umwelt verpesten, dass die Rohstoffe zuneige gehen, dass weltweit Tag für Tag 30.000 Kinder unter fünf Jahren sterben müssen, scheint kaum jemanden zu interessieren.

Früher dachte ich, hinter dieser kolossalen menschlichen Verbohrtheit stünden mächtige Interessensgruppen, Lobbyisten, die sich in ominösen Hinterzimmern treffen und für den geheiligten Profit notfalls über Leichen gehen. Doch das ist, wenn überhaupt, nur ein Nebenaspekt eines sehr viel größeren Problems: So anregend und subjektiv entlastend es sein mag, anzunehmen, dass die Geschicke der Menschheit von einem Grüppchen finsterer Verschwörer gelenkt wird, in Wahrheit steckt hinter der ganzen Misere eine einzigartige, gigantische, weltumspannende RIESENBLÖDHEIT!

Wenn es denn so etwas wie „die Matrix“ gibt, dann speist sie sich vornehmlich aus dem „betörenden Glanz der Dummheit“, den Esther Vilar schon vor Jahren eindrucksvoll beschrieben hat. Und unser Wahnsinn hat System: Von Kindesbeinen an werden wir systematisch in das jeweils vorgegebene kulturelle Wahnsystem hineinsozialisiert. So erzählt man Schulkindern hierzulande schon ab der 1. Klasse den naiven „Backe-backe-Kuchenmythos“ der biblischen Schöpfungsgeschichte, behält ihnen aber die damit im Widerspruch stehenden Erkenntnisse der Evolutionsbiologie vor. (Wenn überhaupt, werden Schülerinnen und Schüler in Deutschland erst im 10. Schuljahr mit dem Thema „Evolution“ konfrontiert, bis dahin haben sich kreationistische Vorstellungen längst in ihren Köpfen verankert.)

Während die Sozialisation in die Religiotie leicht zu durchschauen ist, geht die kulturelle Übertragung von Ökonomiotie und Ökologiotie subtiler vonstatten, beispielsweise über den „heimlichen Lehrplan“ unserer Bildungsinstitutionen: Wer in der Schule oder im Studium gelernt hat, Vorgegebenes nicht etwa kritisch zu hinterfragen, sondern im Austausch gegen gute Noten wortgetreu wiederzugeben, der wird später bei entsprechender Entlohnung sicherlich keine Bedenken haben, Chips zu entwerfen, die Drucker nach Ablauf der Garantiezeit funktionsunfähig machen (ein sehr beliebtes Verfahren!), oder „kreative Finanzwerkzeuge“ zu entwickeln, die Abertausende von Menschen in den finanziellen Ruin stürzen (nicht minder beliebt!). Dabei kann man es weder dem Lehrer noch dem Schüler, weder dem Ingenieur noch dem Banker vorwerfen, dass sie tun, was sie tun: Schließlich agieren sie ja innerhalb der Sachzwänge des Systems durchaus rational – irrational erscheint ihr Verhalten erst, wenn man das System von außen betrachtet, was jedoch kaum jemand tut.

Leider gibt es – anders als im Film – keine „rote Pille“, die wir schlucken könnten, um aus der wahnhaften Matrix auszusteigen. Es bedarf mühsamer Arbeit, auch nur einen Teil der in unsere Köpfe eingepflanzten Mythen zu überwinden. (Glauben Sie nicht, der Verfasser dieser Zeilen sei frei von solchen Wahnvorstellungen!) Wir alle sind Gefangene der kulturellen Matrix, in die wir hineinsozialisiert wurden. Aber: Wir haben durchaus die Chance, uns hin und wieder von einigen dieser Wahnvorstellungen zu befreien. Wir können sehr wohl lernen, falsche Ideen sterben zu lassen, bevor Menschen für falsche Ideen sterben müssen. Und natürlich können wir auch die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft unter Druck setzen, die Realitäten endlich wahrzunehmen, statt vor ihnen zu flüchten, die globalen Probleme an der Wurzel anzupacken, statt sie zu verdrängen.

„Keine Macht den Drogen!“ ist ein guter Slogan, wenn er nicht im Sinne eines puritanisch-religiotischen Abstinenzlertums verstanden wird. „Keine Macht den Doofen!“ wäre allerdings ein noch viel wichtiger Slogan, wenn wir „aufrechtgehenden Affen“ unsere ökologische Nische auf diesem Staubkorn im Weltall erhalten möchten. Die biologische Evolution hat uns mit einem erstaunlich wandlungsfähigen Denkapparat ausgestattet. Wir sollten beginnen, ihn auf intelligentere Weise zu nutzen.

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Täuschung, Lüge, Statistik

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Die politische Statistik mag Durchschnittsgrößen. Im Durchschnitt ist das Geldvermögen je Bundesbürger im vorigen Jahr um fast sechs Prozent auf 59 900 Euro€ gestiegen, wird da gejubelt. Dass zwei Drittel der Erwachsenen über kein oder sehr geringes Vermögen verfügen, wird nicht gesagt. Das zweitbeliebteste Argument für weiteren Sozialabbau ist der Verweis darauf, dass die Sozialausgaben den Großteil der Staatsausgaben ausmachen und folglich auch den Großteil der angeblich unumgänglichen Ausgabenkürzungen tragen müssten. Wenn wenigstens zur Erläuterung angeführt würde, dass der Anteil der Massensteuern wie Lohn-, Mehrwert- oder Mineralölsteuer am Steueraufkommen seit 1960 von 38 auf 80 Prozent gestiegen, der Anteil der Gewinnsteuern von 35 auf 12 Prozent gesunken ist.

Die Zahl der Arbeitslosen liege bei etwa drei Millionen, sagt die amtliche Statistik. Nein, sie betrage 4,5 Millionen, ist vom DGB zu hören; nein, sie liege bei sieben Millionen, sagen andere. Woher kommen diese gewaltigen Differenzen? Eigentlich wäre die Wahrheit leicht zu finden: Man brauchte nur die Arbeitssuchenden zu zählen, die sich auf den Ämtern melden; das ergäbe wohl die 4,5 Mio. In den sieben Millionen ist auch die »stille Reserve« enthalten, Arbeitslose, die es aufgegeben haben, sich bei den Ämtern zu melden. Die drei Millionen sind die »registrierten« Arbeitslosen. Wer registriert wird, entscheiden politische Instanzen, nicht die Statistischen Ämter. Natürlich kann so auch die Arbeitslosenzahl politisch manipuliert werden. Arbeitslose in »arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen« zum Beispiel werden nicht registriert. Die Wege zur Wahrheit sind in diesem Musterland der Meinungsfreiheit oft sehr verschlungen, manchmal verbarrikadiert. Am besten wendet man sich mit seinen Fragen an die Gewerkschaften und die Linke.

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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Schön, dass die große Mehrheit das so sieht. Aber das interessiert weder Frau Merkel noch die ach so soziale Arbeitsministerin noch die Regierung an sich und schon gar nicht die Wirtschaftsbosse. Der Niedriglohnsektor ist für diese Menschen "alternativlos", denn nur so können sich Deutschlands Exportweltmeisterambitionen und exorbitante Gewinne der Global Player aufrecht erhalten lassen. Denen da oben ist es doch egal, dass sich hier im Land keiner mehr etwas leisten kann.

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Große Mehrheit befürwortet gleichen Lohn für Zeitarbeiter

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Mehr als 90 Prozent der Bürger sind laut einer Umfrage für ZEIT ONLINE dafür. Sie sehen Leiharbeiter als deutlich schlechter gestellt.

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"Nur" ein Drittel der Deutschen kommt mit Geld gut aus. Das "Nur" hat der Autor des Artikels auf Welt Online aber ganz offensichtlich vergessen. Oder sollen wir etwa darauf stolz sein, dass in einem der reichsten Länder der Welt 2/3 der Bürger nicht über genügend finanzielle Mittel verfügen um gut damit auszukommen. Oder sind das vielleicht gar nicht die weniger begüterten die mit Ihrem Geld nicht gut auskommen? Viel zu viele haben sich doch inzwischen mit Niedriglöhnen arrangiert. Diese Studie sagt im Grunde nichts über das wahre Ausmass der von der Wirtschaft gewollten und von der Regierung umgesetzten Schaffung eines immer größer werdenden Niedriglohnsektors aus, der dann auch noch vom Staat subventioniert wird.

Grundrechte - nur gegen Bezugsschein

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Das verbal groß aufgezäumte Bildungspaket, mit dem sich von der Leyen und die schwarz-gelbe Regierung schmücken, ist im Grunde eine Luftnummer: So werden künftig die von der großen Koalition beschlossenen 100 Euro zum Schulstart nur noch zweigeteilt – einmal 70, einmal 30 Euro – ausgezahlt, weil die „verantwortungslosen“ Hartz-IV-Eltern doch tatsächlich alles auf einmal beim Schulstart ausgegeben hätten. Jetzt kontrolliert ein staatlicher Vormund, der sich von den Eltern sogar Rechnungen und Belege vorlegen lassen kann.

Ähnlich absurd ist die Regelung zur Nachhilfe für Kinder aus Hartz-IV- oder Sozialhilfeempfänger-Familien. Während die Verfassungsrichter schulpflichtigen Kinder in jeder Hinsicht Unterstützung bieten wollten („Notwendige Aufwendungen zur Erfüllung schulischer Pflichten gehören zu ihrem existentiellen Bedarf.“), sind Beamte im Arbeitsministerium offenbar überzeugt, dass ein Kind aus einer Hartz-IV-Familie seine schulische Pflicht schon dann erfüllt, wenn es nicht sitzen bleibt. Nur wenn die Versetzung gefährdet ist und die Schulen ihren „blauen Brief“ verschickt haben, dürfen die Eltern einen Antrag auf Nachhilfe beim behördlichen Vormund einreichen, der diesen dann prüft und darüber entscheidet. Wem allerdings die schulpraktischen Abläufe zwischen dem „blauen Brief“ und den Versetzungskonferenzen bekannt sind, der weiß, dass das versetzungsgefährdete Hartz-IV-Kind so keine Chance mehr hat, rechtzeitig eine wirksame Nachhilfe zu bekommen.

Ohnehin ist es nach der Gesetzeslage nicht vorgesehen, Nachhilfe zu gewähren, wenn das Sitzenbleiben feststeht oder das Hartz-IV-Kind auf die Idee kommen sollte, mit Nachhilfe seine Noten so zu verbessern, um es auf eine weiterführende, höhere Schule zu schaffen. Im Zweifel soll der behördliche Vormund in den Schulen nachfragen. Damit stolpern dann die Lehrerinnen und Lehrer in eine Falle: Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen sie eigentlich nicht wissen, welche ihrer Schülerinnen und Schüler von Hartz IV oder Sozialhilfe leben. Andererseits müssten sie Versetzungsprobleme frühzeitig bemerken und den Eltern zu Nachhilfe-Anträgen raten. Die Folge sind den Datenschutz verletzende Offenlegungen auf allen Seiten.

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Fairness ist Zufall

Angela Merkel herrscht in der Dreifaltigkeit des modernen Kapitalismus: Einem Drittel von uns geht es gut, ein Drittel fühlt sich bedroht - und ein Drittel wird abgeschrieben. Wer länger als ein Jahr arbeitslos ist, stürzt in die wachsende Masse derer, die die Ökonomen zynisch "Surplus-Bevölkerung" nennen: die Überflüssigen.

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Der Sozialstaat hat einem Drittel seiner Bevölkerung gleichsam den Gesellschaftsvertrag gekündigt. Damit hat sich die Geschäftsgrundlage geändert. Die großen Parteien streiten um immer heiklere Verstrebungen, mit denen dieser sonderbare Sozialstaat gestützt werden soll, um immer irrsinnigere Regelungen, mit denen eine Gerechtigkeit im Einzelfall hergestellt werden soll, die im Ganzen längst verloren ist.

Bald wird eine ausufernde Sozialstaatsbürokratie für die Frage zuständig sein, welches Kind Gitarrenunterricht bekommt und welches Flöte spielen darf.

Der Sozialstaat ist verdreht worden, es ist Zeit, ihn vom Kopf auf die Füße zu stellen. Zeit für das Grundeinkommen. 800 Euro für jeden. Und es möge niemand mit dem Leistungsethos einer vergangenen Epoche kommen. Oder mit dem Einwand, das Grundeinkommen sei unfair gegenüber jenen, die schwer für ihr Geld arbeiten. Leistung und Fairness sind nun gerade nicht mehr die prägenden Prinzipien unseres Systems.

Es besteht zwischen Verdienst und Leistung keine Verbindung und Fairness ist in diesem System Zufall. Der moderne Kapitalismus hat diese Werte über Bord gespült.

Das Grundeinkommen aber gibt den Menschen ihre Würde zurück.

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Arbeit statt Kinder?

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Gezielte Provokation oder bodenlose Dummheit? Die Frage hätte man sich vielleicht am Anfang der vom westergewellten Vizekanzler losgetretenen Sozialleistungsdebatte noch stellen können. Inzwischen aber dürfte auch dem letzten Bundesbürger klar sein, dass nicht (nur) das Geltungsbewusstsein von Kanzlerin Angelas rechter Hand dahintersteckt, sondern knallharte politische Klientelpolitik. Kaum hat Guido Westerwelle sich, von der Kanzlerin öffentlich abgemahnt, etwas aus dem Rampenlicht entfernt, steht Martin Lindner, FDP-Bundestagsabgeordneter und Jurist, bereit, die hinterlassene Lücke zu füllen.

Man dürfe nicht so viel Geld ins System geben, dass es attraktiv werde, übers Kinderkriegen statt durch Arbeit Geld zu verdienen, warnte der sechsfache Vater und ergänzte hastig, dass er selbstverständlich dafür sei, Kindern gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Anscheinend aber nur seinen eigenen, denn wie Arbeitslosengeld-II-Bezieher das mit weiter abgesenkten Regelsätzen gewährleisten sollen, verschwieg er wohlweislich. Abgesenkt werden aber müssten die Leistungen, damit sich für Vollbeschäftigte das Arbeiten endlich wieder lohne, so Lindner. Dieser Satz war schon immer falsch und er wird auch nicht richtig, wenn ihn möglichst viele FDP-Politiker möglichst oft wiederholen. Die einzige Möglichkeit, Arbeit wieder lohnenswert zu machen, ist die Einführung eines Mindestlohn. Abgeschafft dagegen gehören solche Debatten.

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Robert Misik: Nur Optimisten können die Welt verbessern

Hier nur Ausschnitte aus der Rede die Robert Misik auf Einladung von Sigmar Gabriel bei der Vorstandsklausur der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, SPD, über das Thema "Verändern und Bewahren" hielt. Es lohnt sich die ganze Rede auf seinem Blog zu lesen.

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Der Begriff „Reform", der in der vorausgegangenen Reformära identisch war mit gesellschaftlichen Veränderungen in Richtung mehr Gleichheit, mehr sozialer Sicherheit, mehr Wohlstand und mehr an Lebenschancen für alle, veränderte nach und nach seinen Inhalt. Oft wurde nun der Abbau sozialstaatlicher Regulierungen und der Abbau von Sicherheiten mit dem Begriff „Reform" charakterisiert. Simpel gesagt: Während früher den Bürgern klar war, dass eine Reform ihre Lebensbedingungen verbessern würde, so war das nunmehr nicht mehr klar. Oft war das Gegenteil der Fall: War von einer „Reform" die Rede, konnten die einfachen Leute meist davon ausgehen, dass ihnen irgendjemand etwas wegnehmen wollte.

All das veränderte die Politik der Mitte-Links-Parteien und damit auch ihre Wahrnehmung durch das Elektorat. Die einen sagten sinngemäß: Ja, wir sind auch für diese wirtschaftsliberalen Reformen - „Reformen" -, aber wir achten im Gegensatz zu unseren Konkurrenten wenigstens darauf, dass es auch ein bisschen fair zugeht. Im Rahmen unserer Möglichkeiten. Soll heißen: In sehr begrenztem Maße.

Deshalb will ich zum Abschluss eines noch sagen: Ohne Optimismus, ohne die Zuversicht, dass das geht, eine Zuversicht, die in der Lage ist, andere anzustecken, wird das nicht gehen. Gesellschaften werden nie von Miesepetern verbessert, sie werden von Optimisten verbessert. Wenn sich Martin Luther King ans Lincoln-Memorial gestellt hätte und da gesagt hätte: Alles ist ein Alptraum, aus der Bürgerrechtsbewegung wäre wohl nicht recht etwas geworden. Er hat aber nicht gesagt: Ich habe einen Alptraum. Er hat aber gesagt: Ich habe einen Traum.

Wenn diejenigen, die sich als Progressive verstehen, es nicht schaffen, wieder einen optimistischen Geist zu verkörpern und die Gesellschaft auf einen optimistischen Grundton zu stimmen, dann brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Menschen etwas werden, was man dann als „konservativ" charakterisieren kann.

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Aus Sklaven Menschen machen

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Die Gesellschaften sind noch Lichtjahre entfernt von dem Zustand, in dem Einsicht das Handeln der Menschen bestimmt. Die Entsolidarisierung ist nicht nur weit vorangeschritten, es ist auch gefährlich, auf Solidarität zu bauen, weil sie schwer zu organisieren ist und ihr Scheitern wiederum individuelle Not hervorruft.

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Merkel hat die dauerhafte Senkung der Langzeitarbeitslosigkeit zu einem Kernziel ihrer Regierung erklärt.

Im Superwahljahr muss die Kanzlerin mal wieder dicke Backen machen.
Was wirklich dahintersteckt sollte uns allen inzwischen bewusst geworden sein. Das faule Gesockse soll gefälligst für die Feudalherren schuften gehen, Lohn und Brot sind da doch absolute Nebensache. Dann sollen sich die Deppen aus der Möchtegern-Mittelschicht und das Unterschichten-Lumpenpack doch 2 oder 3 Jobs suchen. In der USA funktioniert das doch auch. So bleibt dann auch genügend Geld das man Banken, Wirtschaftsmächtigen und Millionären in den Allerwertesten schieben kann, natürlich in Form von Zukunftsinvestitionen.
Und wenn die faulen Hartz-IV-Schmarotzer nicht für 3.- € arbeiten wollen, dann dürfen sie auch wenigstens nicht mehr als 5.- € mehr bekommen. Dafür hat man die Berechnungsmethode ja angepasst. Nein Frau Merkel "Hartz IV ist kein Lebenszustand". Wenn Sie auch nur einmal für wenige Monate auf Hartz IV angewiesen gewesen wären wüssten Sie was das wirklich heißt statt Phrasen zu dreschen.
Aber diejenigen die schon zu DDR-Zeiten die Vorzüge des Regimes zu nutzen wussten haben sich auch im Kapitalismus ganz schnell und gut zurechtgefunden. Naja, deshalb fordern Sie wahrscheinlich auch vom Arbeitnehmer soviel Flexibilität.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die dauerhafte Senkung der Langzeitarbeitslosigkeit zu einem Kernziel ihrer Regierung erklärt. „Wenn wir es schaffen, die Dauerarbeitslosigkeit nachhaltig zu senken, erhalten wir einen Spielraum in Milliardenhöhe für den Schuldenabbau und für Zukunftsinvestitionen“, sagte Merkel am Samstag bei einem Wahlkampftermin in Hamburg.

Die Arbeitslosenquote müsse deshalb dauerhaft deutlich unter der Drei-Millionen-Marke bleiben. Damit begründete Merkel auch die Ablehnung der Bundesregierung, das Arbeitslosengeld II spürbar zu erhöhen, wie es SPD und Grüne derzeit im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat fordern. „Hartz IV ist kein Lebenszustand, sondern eine Brücke zurück in den Arbeitsmarkt“, sagte Merkel.

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